Aberglauben im Mittelalter

„Mit den Schraubzwingen wurden die Beine so lange langsam zusammen gedrückt, bis die Knochen splitterten und das Mark aus ihnen heraus gequetscht wurde, so dass es an den Beinen herab lief“ erklärt Hermann Müller den Besuchern, die er durch die Kulmbacher Plassenburg führt. Die Ausstellung „Hexen, Werwölfe und Untote“ macht zum einen den Aberglauben der Menschen, zum anderen die Grausamkeit deutlich, mit der sie ihre Mitmenschen zu Tode quälten.

Durch mit Steinkeile gespaltene Totenschädel, einem gepfählten Skelett und geschändete, menschliche Überreste erfahren die Besucher, wie real Vampire und Werwölfe noch vor einigen hundert Jahren für die Menschen waren. Während angebliche Vampire allerdings meist erst nach ihrem Tod gepfählt und geköpft wurden, traf es andere viel schlimmer: die Hexen.

Die Menschen im Mittelalter konnten viele Phänomene und Krankheiten, die uns heutzutage die Wissenschaft plausibel erklären kann, nicht verstehen. Deshalb glaubten sie an höhere Mächte und versuchten, diese mit allerlei Ritualen und Bräuche zu bekämpfen. Amulette, magische Zeichen, Zauberformeln und verschiedene Kräuter, sollten das Böse bekämpfen und Schaden von den Menschen fern halten.

Der Glaube an das Böse durch viele Katastrophen gefördert. Der 30-jährige Krieg, schwierige klimatische Bedingungen, die zu Ernteausfällen führten und eine schlimme Pestepidemie, die fast die Hälfte der Bevölkerung das Leben kostete, lösten Angst und Schrecken unter den Menschen aus.

Die Kirche ging ab dem 15. Jahrhundert konsequent gegen die Menschen vor, die nicht nach der kirchlichen Glaubenslehre lebten. Mit der Zeit wurde die Wissenschaften immer interessant, der Glaube an Gott hinterfragt. Die Kirche musste durchgreifen: Ketzer und Kirchenkritiker wurden wie Hexen gefoltert und bestraft. Um das gewünschte Geständnis von den Verurteilten zu erhalten, kannten die Inquisitoren Mittel, ihre Opfer zum Reden zu bringen.

Natürlich erhielten die Verurteilen eine angebliche Chance zu beweisen, dass sie unschuldig waren. Die Regeln hierfür legte der 1486 veröffentlichte „Hexenhammer“ fest, der in der Ausstellung auf der Plassenburg ebenfalls zu finden ist.

Eine der wichtigsten Proben, ob es sich um eine Hexe handelt, oder nicht, war die Nadelprobe. Bei dem Opfern wurde dabei ein Hexenmal gesucht, häufig ein einfaches Muttermal. Man stach mit einer Nadel hinein und wenn es blutete, galt die Unschuld als bewiesen. Ein paar Nadeln, die aus dieser Zeit noch erhalten sind, weisen allerdings einen Mechanismus auf, der bewirkt, dass sich bei Druck die Nadelspitze in den Schaft zurückzieht. Dadurch entstand weder Schmerz, noch blutete es und die angebliche Hexe galt als schuldig.

Bei den zahlreichen Foltermethoden, die der Inquisition zur Verfügung standen, war es einfach, die vermeintliche Hexe zu dem gewünschten Geständnis zu bewegen. Unter den Qualen der Folter brach jeder früher oder später zusammen und erzählte den Inquisitoren das, was sie hören wollten.

Die Hexen wurden anschließend auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Das Feuer sollte dabei ihre Seele reinigen und sie von ihrer Schuld rein waschen. Als „Akt der Gnade“ wurden manche Opfer vorher erdrosselt, enthauptet oder bekamen ein Schwarzpulversäckchen um den Hals, das im Feuer explodieren sollte.

Auch, wenn die meisten Menschen heute nicht mehr an leibhaftige Hexen glauben, existieren in unserem täglichen Leben immer noch viele, alte Bräuche, die auf diese Zeit des Aberglaubens und der Hexenverfolgung zurückzuführen sind. Bunt geschmückte Bäume, lodernde Walpurgisfeuer und ausgelassener Frühlingstanz sind Relikte aus einer Zeit, als die Menschen noch an Hexen und Vampire glaubten.